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Statusmeldung als AbschiedsbriefVon Renè Denzer, 18.12.09, 21:15h Die Zahl der Aussteiger aus den Sozialen Netzwerken wächst. Sie wollen ihr Privatleben aus der Welt der Bits und Bytes heraushalten. Auf speziellen Websites können diese „digitalen Selbstmörder“ Abschied nehmen.Ein Mann sitzt vor seinem Computer und besucht die Facebook-Seite im Internet. (Bild: dpa)
Digitale Selbstmörder Kein Abschiedsbrief, sondern eine letzte Statusmeldung. Wer sein Leben im Sozialen Netzwerk beendet, quasi digitalen Selbstmord begeht, tut dies auf seine eigene Art und Weise kund. Eine Plattform für solche „digitalen Selbstmörder“ ist die Internetseite ausgestiegen.com. Hier hinterlassen Aussteiger von Internet-Netzwerken wie Facebook, StudiVZ, MySpace, Xing und Co ein letztes Mal einen öffentlichen Gedanken. „Freunde treffen statt Freunde adden“ (hinzufügen - Anmerk. der Red.) so das Motto der Seite. Und die Zahl der Aussteiger aus den Netzwerken wächst. Gingen deren Nutzerzahlen in den letzten Jahren stetig nach oben, ist nun auch eine kleine Tendenz in die andere Richtung erkennbar. Heißt das nun, dass Frank Schirrmacher mit seinem Buch „Payback“, in dem er vor den Gefahren des digitalen Zeitalters warnt, nicht mehr Recht hat? Sicherlich nicht. Nur gibt es eine Zahl von Personen, die zumindest ihr Privatleben aus dieser Welt der Bits und Bytes heraushalten wollen. Einer dieser Geflüchteten ist der Österreicher Dieter Willinger, der die Seite ausgestiegen.com ins Netz gestellt hat. Wie er fragen sich aber immer mehr Internet-Nutzer in sozialen Netzwerken: Was mache ich hier eigentlich? Was soll diese Zeitverschwendung? Was ist so interessant zwischen Fotos und Meldungen von Bekannten herumzuklicken, wenn diese, im günstigsten Fall in der unmittelbaren Nachbarschaft wohnen? Der 32-jährige Willinger ist von Beruf Webdesigner. Bei Facebook hat er mittlerweile nur noch ein sogenanntes Geisterkonto. Sein Profilfoto ist ein fett grinsender Smiley - das Banner von ausgestiegen.com darf auch nicht fehlen. Bei Xing hat man sein Profil gesperrt, „um die Seriosität und die Sicherheit der Plattform zu gewährleisten“, heißt es in einer von ihm verfassten Statusmeldung - auf ausgestiegen.com. Auf seiner Internetseite bietet der „Verein der Freunde des Aussteigens aus sozialen Netzwerken“ den Abtrünnigen T-Shirts zum Verkauf an. Auch eine Tasche mit der Aufschrift „Freunde treffen statt Freunde einsacken“ oder eine Tasse mit dem Spruch „Kaffee mit Freunden statt Statusmeldungen“ kann dort erworben werden. Schließlich ist man nicht der einzige „digitale Selbstmörder“, sondern wieder Teil einer Gemeinschaft - wenn auch nur für kurze Zeit. Doch sind die letzten öffentlichen Statusmeldungen von Thuy, Paul Spengler, Beat Aeschimann, Steffen, a.conza und Karl Zeugnis dafür, dass der große Hype solcher Netzwerke vorbei ist? Oder bilden sie nur die Ausnahme? Weltweit sind bei Facebook rund 300 Millionen Menschen aktiv. Laut Angaben des Unternehmens sind das rund doppelt so viele wie in 2008. In Deutschland nutzen etwa mehr als fünf Millionen Mitglieder Facebook zum Chatten, Spielen oder Flirten. 15,5 Millionen sind es zusammen bei StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ. Wie viele von ihnen ihren Account nicht mehr nutzen oder gar löschen, ist nicht bekannt. Facebook hält sich mit solchen Angaben bedeckt. Doch nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA gibt es laut Medienberichten einen ähnlichen Trend. Trotz weiter steigender Benutzerzahlen sollen dort etwa 20 Prozent weniger Schüler und Studenten als noch in 2008 in Netzwerken aktiv gewesen sein. Der „digitale Selbstmord“ ist ohnehin ein schwieriges Unterfangen. Will man etwa sein Konto deaktivieren, heißt es, „dass alle deine Freunde dich vermissen werden und sie nicht mehr mit einem in Kontakt bleiben können“. Ob dies wirklich so ist, kann man sie ja beim nächsten Telefonat oder bei einer Tasse Kaffee fragen.
19.12.2009, 09:56 von admin |
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